Polizeisprecher informiert im Video

Leichenfund in Kasseler Wohnheim: Todesursache steht nun fest

+
Der Tatort: Das Wohnheim Unispace im Wesertor.

Nach dem Fund von zwei Leichen im Wohnheim im Kasseler Wesertor ist das Motiv weiter unklar. Eine Obduktion klärte nun jedoch, woran die beiden 19-Jährigen gestorben sind.

Dieser Artikel wird laufend aktualisiert, zuletzt am 12. November um 13 Uhr. Die Obduktion hat bestätigt, dass die Verletzungen der Opfer mit einem scharfen Gegenstand wie einem Messer zugefügt wurden und die Todesursache waren, teilte die Polizei am Montag mit. Einen entsprechenden Gegenstand habe die Polizei sichergestellt. Ob er die Tatwaffe sei, werde untersucht.

Man beleuchte nun das Umfeld der Getöteten, sagte ein Sprecher der Kasseler Polizei. Die Ermittler gingen weiter davon aus, dass der 19-Jährige erst die gleichaltrige Studentin tötete und dann sich selbst. Die Gründe für die Tat im Wohnheim Unispace, in dem vor allem Studenten leben, seien im Nachhinein schwer zu klären, sagte der Sprecher. Die beiden Toten waren am Donnerstagnachmittag gefunden worden, nachdem sich Angehörige der 19-Jährigen Sorgen machten, weil sie keinen Kontakt zu ihr hatten. 

Video: 19-Jähriger soll Frau und sich selbst getötet haben

Kassel Polizei: Sprecher über den derzeitigen Ermittlungsstand

Die 19-Jährigen starben am Mittwoch

Die Frau und der Mann starben vermutlich am Mittwochvormittag. Die 19-Jährige mit deutscher Staatsangehörigkeit war die Bewohnerin, der Mann kam aus Bremen und hatte keinen bekannten festen Wohnsitz. Beide wurden zuletzt mehrfach im Appartementhaus gesehen und waren sich offenkundig bekannt. 

Nun sucht die Polizei nach Zeugen, die die beiden 19-Jährigen näher kannten und Angaben zu ihren persönlichen Lebensumständen machen können. 

Sie werden gebeten, sich unter Telefon 0561/9100 beim Polizeipräsidium Nordhessen zu melden.

Anmerkung der Redaktion: Wir haben uns entschieden, nicht über (geplante) Suizide zu berichten, es sei denn, sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Grund für unsere Zurückhaltung ist die hohe Nachahmerquote nach jeder Berichterstattung über Selbsttötungen.

Wenn Sie sich betroffen fühlen, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge. Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die schon in vielen Fällen Auswege aus schwierigen Situationen aufgezeigt haben.

Kassel: Wohnheim 2017 fertiggestellt

Wurde 2017 fertiggestellt: Das Appartmenthaus am Ostring in Kassel

In dem Haus im Stadtteil Wesertor wohnen überwiegend Studenten. Der Unispace-Komplex mit 240 Appartements war vor gut einem Jahr fertiggestellt worden. Die Immobilie liegt unmittelbar an der vierspurigen Ihringshäuser Straße in unmittelbarer Nähe zur Universität und zum Klinikum. Gegenüber befinden sich mehrere Einkaufsmärkte, Imbisse und eine Tankstelle.

Studentenwohnheim Kassel? Im Unispace leben nicht nur Studenten

Viele Medien sprechen am Freitag davon, Tatort sei ein Studentenwohnheim. Das ist aber nicht ganz richtig: Um im Unispace zu wohnen, muss man kein Student sein. 

Die Appartements sind aber wegen ihrer Nähe zur Uni vor allem bei Studierenden beliebt. Sie sind laut Homepage des Unternehmens dgs management, zu deren Immobilienprojekten das Unispace zählt, mindestens 22 Quadratmeter groß, verfügen über moderne Bäder, maßangefertigte Möbel und kleine Einbauküchen. Manche Wohneinheiten sind mit einer Dachterrasse ausgestattet. Im Haus gibt es ein Waschcafé und Gemeinschaftsräume.

Ostring Kassel: Hier wurden die Leichen gefunden

Leiche in Kassel gefunden: Eindrücke am Donnerstag vor Ort

Was genau in dem großen Wohnkomplex passiert ist, wusste am späten Donnerstagnachmittag noch kaum jemand. Vereinzelt hielten sich Studenten im Eingangsbereich des Appartementhauses Unispace auf, draußen ließen lediglich zwei Polizeiautos vage darauf schließen, dass im Inneren des Hauses etwas passiert sein muss. „Die Polizei hat bei mir geklingelt und gefragt, ob ich was gehört habe. Aber seit ich heute Nacht um 2 Uhr nach Hause kam, war eigentlich alles ruhig“, sagte ein Bewohner des Hauses. 

Mord in Kassel? Es gibt Anzeichen für Gewaltverbrechen

Man habe ihm gesagt, dass der Tatort in der Wohnung über seinem Appartement liegen soll. Von den Nachbarn höre man sonst kaum etwas, da müsse jemand schon die Musik richtig laut aufdrehen. Hunderte Briefkästen reihen sich im Untergeschoss aneinander, alle namenlos. Im Unispace scheint man eine Appartement-Nummer zu sein: Bewohner berichten von generell wenig Kontakt unter den Mitbewohnern. Alles sei sehr anonym. Wenn man den Nachbarn auf dem Flur treffe, dann grüße man freundlich. 

Der gemeinsame Aufenthaltsraum? Meistens leer. „Es war immer alles ruhig, ich habe mich hier nie unsicher gefühlt“, ergänzt der Student. Seit einem Jahr wohne er hier, wie die meisten anderen auch. Das Unispace sei vor allem bei Menschen beliebt, die ihre Ruhe haben wollen. Es gibt einen hausinternen Waschsalon, hier treffe man manchmal jemanden. Überwiegend wohnen hier Studenten, aber vereinzelt sollen auch ältere Personen wie Ärzte des nahegelegenen Klinikums eine Wohnung am Ostring angemietet haben. 

Niklas, Student im dritten Semester, berichtet von einer WhatsApp-Gruppe von Bewohnern, über die kommuniziert wurde, dass im Haus etwas passiert sei. Gegen 14.30 Uhr sei die erste Nachricht eingegangen: „Es wurde geschrieben, dass im Haus Polizisten sind, und nach und nach kamen dann mehr Infos.“ 

Leichenfund Kassel: Bewohner bestürzt

Über die App habe man erfahren, dass ein Flur im dritten Stock von der Polizei abgesperrt worden sei. Auch auf der Online-Plattform Jodel gaben sich Bewohner ratlos. „Weiß jemand, was am Unispace los ist?“, war dort mehrfach zu lesen. Im Eingangsbereich des Wohnheims befragten Beamte am frühen Abend Bewohner. Die meisten kamen gerade erst von der Uni oder von der Arbeit. Sie waren bestürzt und konnten nicht glauben, dass sich möglicherweise eine Gewalttat ereignet haben soll. 

Unispace Kassel steht auf altem Reitstall 

Das Unispace-Gebäude befindet sich auf dem Areal, wo einst der alte Reitstall lag. Er wurde Anfang der 20. Jahrhunderts gebaut. Bis 1976 wurde der Gebäudekomplex als Reitstall genutzt. 1977 wurden die Räumlichkeiten zum Selbsthilfezentrum. Doch das blieb nur von kurzer Dauer. Das Areal - und teilweise die Ruine - stand viele Jahre ungenutzt leer. Anfang der 2000er hatten diverse Autohändler das Gelände zur Unterbringung ihrer Fahrzeuge genutzt. Seit etwa einem Jahr ist das Unispace-Zentrum bewohnt.

Kassel Wesertor: So sieht es im Stadtteil aus

Unispace befindet sich im Kasseler Stadtteil Wesertor. Hier leben 10.000 Einwohner auf einer Fläche von 1,5 Quadratkilometern. Früher war hier ein Teil der Altstadt angesiedelt, seit dem Zweiten Weltkrieg ist davon aber kaum noch etwas zu sehen. Die anderen Viertel des Stadtteils sind von mehrspurigen Hauptverkehrsstraßen geprägt. Der Anteil von Schulen und anderen öffentlichen Einrichtungen ist hoch. An der Fulda gibt es zudem kleine Grünanlagen und Uferwiesen. Wesertor ist ein multikulturell geprägter Stadtteil. Auch die Nähe des Klinikums Kassel sowie der Universität ist stark spürbar. (mit dpa)

Leichenfund in Kassel: Frau und Mann tot in Appartementhaus am Ostring 

Unispace Osteing Wesertor
 © Meyer
Unispace Osteing Wesertor
 © Meyer
Unispace Osteing Wesertor
 © Meyer
Unispace Osteing Wesertor
 © Meyer
Unispace Osteing Wesertor
 © Meyer
Unispace Osteing Wesertor
 © Meyer

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.